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Herzrhythmusstörungen: Neue Therapien und wachsende Herausforderungen

Eine schematische Darstellung eines menschlichen Herzens mit eingezeichneten elektrischen Impulsen, die Herzrhythmusstörungen symbolisieren.
Marta Branco / Pexels

Herzrhythmusstörungen zählen zu den häufigsten Herzerkrankungen in Deutschland und führen jährlich zu über 500.000 stationären Krankenhausaufnahmen. Neue Forschungsergebnisse und Therapieansätze bieten Hoffnung, doch die steigenden Fallzahlen stellen die medizinische Versorgung vor wachsende Herausforderungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Herzrhythmusstörungen sind nach einem Herzinfarkt die häufigste Todesursache.
  • In Deutschland sind über 1,6 Millionen Menschen von Vorhofflimmern betroffen.
  • Bonner Wissenschaftler konnten Herzrhythmusstörungen im Tierversuch durch spezielle Muskelzellen reduzieren.
  • Psychologische Begleitung vor Operationen kann Angst und Depression bei Senioren lindern.

Was sind Herzrhythmusstörungen und warum sind sie so gefährlich?

Herzrhythmusstörungen sind Abweichungen vom normalen Herzschlag, der in der Regel regelmäßig und zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute liegt. Sie können sich als zu schneller (Tachykardie), zu langsamer (Bradykardie) oder unregelmäßiger Herzschlag äußern. Besonders gefährlich sind sie nach einem Herzinfarkt, da sie die häufigste Todesursache darstellen, wie die WELT am 04. Juli 2007 berichtete. Sie können zu Kammerflimmern führen, bei dem das Herz über 300 Schläge pro Minute erreicht und kaum noch Blut in den Körper pumpt. Dies unterbricht die Sauerstoffversorgung des Gehirns und anderer Organe.

Ein häufiges und besonders relevantes Beispiel ist das Vorhofflimmern, eine Volkskrankheit, die in Deutschland mehr als 1,6 Millionen Menschen betrifft. Laut dem Deutschen Herzbericht – Update 2026, vorgestellt am 16. September 2026, stellt Vorhofflimmern die medizinische Versorgung aufgrund steigender Erkrankungszahlen und der damit verbundenen Risiken vor zunehmende Probleme. Es kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, das Schlaganfallrisiko erhöhen und zu Herzschwäche führen.

Welche neuen Therapieansätze gibt es bei Herzrhythmusstörungen?

Die Forschung macht Fortschritte bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Bonner Wissenschaftlern ist es im Tierversuch gelungen, Herzrhythmusstörungen drastisch zu verringern. Sie pflanzten Mäusen nach einem Infarkt embryonale Herzzellen ein. Nach dieser Therapie trat Kammerflimmern trotz elektrischer Reizung des Herzens nur noch bei jedem dritten Tier auf, ähnlich wie bei gesunden Nagern. Ohne Behandlung war jede Maus betroffen.

Später erzielten die Forscher um Bernd Fleischmann von der Universität Bonn ähnliche Erfolge mit gentechnisch veränderten Skelettmuskelzellen. Diese Zellen wurden so verändert, dass sie das Eiweiß Connexin 43 produzieren, welches normalerweise nur in Herzmuskelzellen vorkommt und für die elektrische Kommunikation notwendig ist. Fleischmann erklärte: „Um Rhythmusstörungen zu verhindern, scheinen schon ein paar Tausend Zellen auszureichen.“ Er betonte jedoch, dass diese Ergebnisse bisher nur für das Mausherz gelten und weitere Forschung notwendig ist, um die Übertragbarkeit auf den Menschen zu prüfen.

Wie wird Vorhofflimmern heute behandelt und welche Herausforderungen gibt es?

Die Behandlung von Vorhofflimmern hat sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Eine Herzoperation bietet oft die Möglichkeit, Vorhofflimmern direkt mitzubehandeln. Bei der sogenannten Ablation werden gezielt kleine Narben im Herzgewebe gesetzt, um die elektrischen Signale zu unterbrechen, die das Vorhofflimmern auslösen oder aufrechterhalten. Prof. Dr. Nicolas Doll, Chefarzt der Herzchirurgie an der Schüchtermann-Klinik Bad Rothenfelde und Experte für die herzchirurgische Behandlung von Herzrhythmusstörungen, weist darauf hin, dass etwa 12 bis 13 Prozent der herzchirurgischen Patientinnen und Patienten zusätzlich von Vorhofflimmern betroffen sind – das ist etwa jede achte Person.

Obwohl europäische Leitlinien eine begleitende Ablation bei Mitralklappenchirurgie ausdrücklich empfehlen und auch bei Bypass- und Aortenklappen-Operationen in Betracht gezogen werden sollte, geschieht dies laut Doll bislang zu selten. Ein Grund dafür ist die Finanzierung: Die zusätzliche Ablation verursacht Mehraufwand für die Kliniken, der bei bestimmten Herzoperationen nicht zusätzlich vergütet wird. Dies führt zu einem Widerspruch zwischen empfohlener Behandlung und fehlender Kostenerstattung.

Ein weiteres Spannungsfeld besteht bei sogenannten Hybridverfahren, bei denen Herzchirurgie und Kardiologie eng zusammenarbeiten. Hierbei werden Herzvorhofbereiche zunächst chirurgisch von außen behandelt und anschließend kardiologisch mit einem Kathetereingriff von innen ergänzt. Obwohl Leitlinien diese Verfahren für bestimmte Patienten empfehlen, werden sie in Deutschland selten eingesetzt. Prof. Dr. Nicolas Doll betont: „Gerade bei komplexem, langanhaltendem Vorhofflimmern zeigt sich zunehmend, dass die Kombination beider Verfahren erfolgversprechender sein kann als eine alleinige Katheterbehandlung.“ Er freut sich, dass die Zusammenarbeit zwischen Kardiologen und Herzchirurgen zunehmend etabliert wird.

Das von Nicolas Doll und Prof. Dr. Philipp Sommer initiierte Hy⁵-Konzept ist ein Beispiel für diese interdisziplinäre Zusammenarbeit. Es handelt sich um ein Netzwerk spezialisierter Zentren, in denen Patienten mit schwer behandelbarem Vorhofflimmern gemeinsam von Herzchirurgie und Kardiologie therapiert werden. Entscheidend sei, dass die beste Therapie interdisziplinär gefunden und umgesetzt wird, so Doll.

Welche Rolle spielt die psychische Gesundheit bei Herzoperationen?

Die psychische Verfassung von Patienten vor und nach einer Operation kann einen erheblichen Einfluss auf die Genesung haben. Eine klinische Studie der Washington University School of Medicine in St. Louis, über die aponet.de am 11. September 2026 berichtete, zeigt, dass psychologische Begleitung Angst und depressive Beschwerden bei Senioren vor und nach einer Operation lindern kann. An der Studie nahmen 306 Menschen ab 60 Jahren teil, die eine Herz-, Krebs- oder orthopädische Operation geplant hatten und leichte bis mittelschwere Symptome von Angst oder Depression aufwiesen.

Die Interventionsgruppe erhielt Informationsmaterialien und führte acht bis zwölf telefonische Gespräche mit geschulten Fachkräften. Zusätzlich überprüften Apotheker oder Ärzte die Medikamente der Teilnehmenden, um Risiken wie Benommenheit oder Verwirrtheit zu minimieren. Drei Monate nach der Operation waren Angst und depressive Beschwerden in dieser Gruppe stärker zurückgegangen. Studienautorin Prof. Joanna Abraham merkte an: „Die Zeit rund um eine Operation ist sowohl eine Phase des Risikos als auch eine Chance.“ Prof. Eric J. Lenze, Leiter der psychiatrischen Abteilung der Washington University School of Medicine, ergänzte, dass es nicht nur darum gehe, den Körper auf den Eingriff vorzubereiten, sondern „den Geist und das Gehirn vorzubereiten, ist genauso wichtig.“

Dies unterstreicht die Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes in der medizinischen Versorgung. Die psychische Gesundheit kann beispielsweise auch beeinflusst werden, wenn man sich Sorgen um die finanzielle Absicherung macht, was viele Menschen in Deutschland beschäftigt. Für solche Fälle kann ein Blick auf den Bürgergeld Rechner 2026 hilfreich sein, um mögliche Ansprüche zu prüfen.

Häufige Fragen

Was ist Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern ist eine häufige Form von Herzrhythmusstörungen, bei der die Vorhöfe des Herzens unregelmäßig und zu schnell schlagen, was zu einem unregelmäßigen Herzschlag führt. Es betrifft in Deutschland über 1,6 Millionen Menschen und kann das Risiko für Schlaganfälle und Herzschwäche erhöhen.

Kann man Herzrhythmusstörungen vorbeugen?

Während einige Herzrhythmusstörungen genetisch bedingt sind, können andere durch einen gesunden Lebensstil beeinflusst werden. Dazu gehören regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf übermäßigen Alkoholkonsum, der mit Hilfe eines Promillerechners besser eingeschätzt werden kann. Auch die Reduzierung von Stress, wie in diesem Artikel über Stressmanagement-Tipps beschrieben, kann hilfreich sein.

Welche Rolle spielen Sexualhormone bei Herzrhythmusstörungen?

Ein Sexualhormon wird als möglicher Risikofaktor für Herzrhythmusstörungen diskutiert, wie Heilpraxisnet am 18. März 2023 berichtete. Weitere Forschung ist jedoch notwendig, um diesen Zusammenhang vollständig zu verstehen und mögliche präventive oder therapeutische Ansätze zu entwickeln.

Quellen: DIE WELT · idw-online.de · aponet.de · Heilpraxis – Heilpflanzen, Gesundheit und Medizin. Stand: 21.10.2026.