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Neue Wege gegen Herzrhythmusstörungen: Forschung und Therapie in Deutschland

Eine schematische Darstellung von Herzmuskelzellen, die elektrische Signale austauschen, symbolisiert die Forschung an Herzrhythmusstörungen.
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Herzrhythmusstörungen, insbesondere nach einem Herzinfarkt, sind in Deutschland die häufigste Todesursache, doch neue Forschungen und verbesserte Behandlungsansätze bieten Hoffnung für Betroffene. Wissenschaftler in Bonn konnten im Tierversuch Herzrhythmusstörungen drastisch reduzieren, und die Herzchirurgie gewinnt bei der Behandlung von Vorhofflimmern zunehmend an Bedeutung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bonner Forscher reduzierten Herzrhythmusstörungen im Tierversuch durch Einpflanzen spezieller Muskelzellen.
  • Herzrhythmusstörungen sind die häufigste Todesursache nach einem Herzinfarkt.
  • Vorhofflimmern betrifft über 1,6 Millionen Menschen in Deutschland und führt zu mehr als 500.000 Krankenhausaufnahmen pro Jahr.
  • Interdisziplinäre Hybridverfahren zwischen Herzchirurgie und Kardiologie werden bei komplexem Vorhofflimmern empfohlen.
  • Die Zahl der Menschen mit Vorhofflimmern könnte sich bis 2050 verdoppeln.

Wie neue Zelltherapien Herzrhythmusstörungen reduzieren könnten

Neue Forschungsergebnisse aus Bonn und den USA zeigen vielversprechende Ansätze zur Reduzierung von Herzrhythmusstörungen. Wissenschaftlern gelang es im Tierversuch, diese durch das Einpflanzen spezieller Muskelzellen drastisch zu verringern. Herzrhythmusstörungen sind die häufigste Todesursache nach einem Herzinfarkt, da sie zu Kammerflimmern mit über 300 Schlägen pro Minute führen, wodurch das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, wie DIE WELT am 06.07.2015 berichtete.

Die Forscher um Bernd Fleischmann von der Universität Bonn pflanzten Mäusen nach einem Infarkt embryonale Herzzellen ein. Nach dieser Therapie trat trotz elektrischer Reizung des Herzens nur noch bei jedem dritten Tier Kammerflimmern auf, vergleichbar mit gesunden Nagern. Ohne diese Behandlung war jede Maus betroffen. Ähnliche Erfolge erzielten die Wissenschaftler später mit gentechnisch veränderten Skelettmuskelzellen. Diese Zellen wurden so modifiziert, dass sie das Eiweiß Connexin 43 produzieren, welches für die elektrische Kommunikation der Herzmuskelzellen und einen regelmäßigen Herzschlag essenziell ist. „Um Rhythmusstörungen zu verhindern, scheinen schon ein paar Tausend Zellen auszureichen“, erklärte Fleischmann. Er betonte jedoch, dass diese Ergebnisse vorerst für das Mausherz gelten und weitere Forschung nötig ist, um die Übertragbarkeit auf den Menschen zu prüfen.

Warum Vorhofflimmern in Deutschland eine wachsende Herausforderung darstellt

Vorhofflimmern ist eine Volkskrankheit, die in Deutschland mehr als 1,6 Millionen Menschen betrifft und jährlich über 500.000 stationäre Krankenhausaufnahmen verursacht. Der Deutsche Herzbericht – Update 2026, vorgestellt am 16. September 2026, rückt Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern, in den Fokus, da die Erkrankungszahlen steigen und damit verbundene Risiken zunehmen, wie idw-online.de am 16.09.2026 meldete.

Besonders relevant ist diese Entwicklung für die Herzchirurgie, da etwa 12 bis 13 Prozent der herzchirurgischen Patientinnen und Patienten zusätzlich von Vorhofflimmern betroffen sind. Prof. Dr. Nicolas Doll, Chefarzt der Herzchirurgie an der Schüchtermann-Klinik Bad Rothenfelde, betont, dass eine Herzoperation oft die Möglichkeit bietet, Vorhofflimmern direkt mitzubehandeln. Bei der sogenannten Ablation werden gezielt kleine Narben im Herzgewebe gesetzt, um die elektrischen Signale zu unterbrechen, die das Vorhofflimmern auslösen oder aufrechterhalten. Obwohl die wissenschaftliche Evidenz für eine begleitende Ablation spricht und europäische Leitlinien diese bei der Mitralklappenchirurgie ausdrücklich empfehlen, wird sie laut Doll noch zu selten durchgeführt. Ein Grund dafür ist die Finanzierung: Der Mehraufwand für Kliniken, unter anderem durch spezielle medizinische Geräte, wird bei bestimmten Herzoperationen nicht zusätzlich vergütet.

Was sind Hybridverfahren bei Herzrhythmusstörungen?

Hybridverfahren sind eine innovative Behandlungsoption für komplexes Vorhofflimmern, bei der Herzchirurgie und Kardiologie eng zusammenarbeiten. Bei diesen Verfahren werden zunächst bestimmte Bereiche des Herzvorhofs herzchirurgisch von außen behandelt, anschließend wird die Behandlung kardiologisch mit einem Kathetereingriff von innen ergänzt. Obwohl die Leitlinien solche Verfahren inzwischen für bestimmte Patienten empfehlen, werden sie in Deutschland noch selten eingesetzt. Prof. Dr. Nicolas Doll hebt hervor, dass gerade bei komplexem, langanhaltendem Vorhofflimmern die Kombination beider Verfahren erfolgversprechender sein kann als eine alleinige Katheterbehandlung. Die Zusammenarbeit zwischen Kardiologen und Herzchirurgen etabliert sich erfreulicherweise zunehmend, wie das Hy⁵-Konzept zeigt, ein Netzwerk spezialisierter Zentren, das Patienten mit schwer behandelbarem Vorhofflimmern nach einem einheitlichen Konzept therapiert.

Die Gesellschaft wird immer älter, und mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an Vorhofflimmern zu erkranken. Nicolas Doll schätzt, dass sich die Zahl der Menschen mit Vorhofflimmern bis 2050 sogar verdoppeln könnte. Vorhofflimmern beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich, erhöht das Schlaganfallrisiko und kann zu Herzschwäche führen. Trotz dieser Herausforderungen gibt es Grund zur Zuversicht, da sich die Behandlungsmöglichkeiten in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt haben und neue Studien zeigen, wer besonders von herzchirurgischen und Hybrid-Verfahren profitieren kann. Diese Erkenntnisse fließen zunehmend in die medizinischen Leitlinien ein.

Psychologische Begleitung bei Herzoperationen

Neben den physischen Aspekten spielt auch die psychische Gesundheit eine wichtige Rolle bei Herzoperationen. Angst und depressive Beschwerden können ältere Menschen rund um eine größere Operation zusätzlich belasten. Eine gezielte psychologische Begleitung vor und nach dem Eingriff sowie ein Medikamenten-Check könnten die Erholung unterstützen, wie eine klinische Studie der Washington University School of Medicine in St. Louis herausfand. Die Studie, die am 11.09.2026 von aponet.de zusammengefasst wurde, umfasste 306 Menschen ab 60 Jahren, die sich einer Herz-, Krebs- oder orthopädischen Operation unterziehen sollten und leichte bis mittelschwere Symptome von Angst oder Depression aufwiesen.

Eine Gruppe erhielt Informationsmaterialien zu Achtsamkeit, Schlaf und Gehirngesundheit sowie acht bis zwölf telefonische Gespräche mit geschulten Fachkräften, die sich auf das psychische Wohlbefinden und den Umgang mit Belastungen konzentrierten. Zusätzlich überprüften Apotheker oder Ärzte die Medikamente der Teilnehmenden, um potenziell schädliche Arzneimittel anzupassen oder abzusetzen. Drei Monate nach der Operation waren Angst und depressive Beschwerden in dieser Interventionsgruppe stärker zurückgegangen als in der Kontrollgruppe. Besonders deutlich war der Unterschied bei Krebspatienten.

Prof. Joanna Abraham, Studienautorin, merkt an: „Die Zeit rund um eine Operation ist sowohl eine Phase des Risikos als auch eine Chance.“ Der Stress kann bestehende Angst- und Depressionssymptome verstärken, aber die Vorbereitung auf eine Operation bietet auch die Möglichkeit, solche Beschwerden frühzeitig zu erkennen und Unterstützung anzubieten. Prof. Eric J. Lenze, Leiter der psychiatrischen Abteilung der Washington University School of Medicine, betont: „Den Geist und das Gehirn vorzubereiten, ist genauso wichtig“ wie die körperliche Vorbereitung.

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Häufige Fragen

Was sind die Hauptursachen für Herzrhythmusstörungen?

Herzrhythmusstörungen können viele Ursachen haben, darunter koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Herzschwäche, Schilddrüsenerkrankungen, Elektrolytstörungen und auch Stress. Nach einem Herzinfarkt sind sie die häufigste Todesursache.

Wie wird Vorhofflimmern behandelt?

Vorhofflimmern wird je nach Schweregrad und individuellen Faktoren behandelt. Zu den Behandlungsmethoden gehören Medikamente zur Rhythmus- und Frequenzkontrolle, Katheterablation und in bestimmten Fällen auch herzchirurgische Ablationen, oft in Kombination mit anderen Herzoperationen.

Welche Rolle spielen Sexualhormone bei Herzrhythmusstörungen?

Einige Studien deuten darauf hin, dass Sexualhormone ein möglicher Risikofaktor für Herzrhythmusstörungen sein könnten. Die Forschung in diesem Bereich ist jedoch noch nicht abgeschlossen und erfordert weitere Untersuchungen, um klare Zusammenhänge zu bestätigen.

Quellen: DIE WELT · idw-online.de · aponet.de. Stand: 21.10.2026.