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Flughafen Nürnberg: Tippfehler löst Entführungsalarm aus – Kampfjets begleiten Ferienflieger

Flughafen Nürnberg

Ein vermeintlicher Entführungsalarm hat am Dienstag einen Großeinsatz am Flughafen Nürnberg ausgelöst. Eine Passagiermaschine aus Korfu hatte kurz nach dem Start den Notfallcode für eine Flugzeugentführung gesendet. Kampfjets aus mehreren Ländern begleiteten den Flieger, am Boden standen Spezialkräfte bereit. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen war jedoch alles ein Versehen: Der Pilot soll sich schlicht vertippt haben.

7500 statt 7600: Ein Zahlendreher mit großen Folgen

Die Boeing 737-800, laut t-online eine Maschine von Corendon Airlines, war auf der griechischen Insel Korfu gestartet. Kurz danach fiel das Funkgerät an Bord aus, die Crew war nicht mehr erreichbar.

Der Pilot wollte den Funkausfall nach Polizeiangaben über den Transponder melden. Dafür ist im Luftverkehr der Code 7600 vorgesehen. Gesendet wurde jedoch die 7500, das international gültige Signal für eine Flugzeugentführung. Ein einmal abgesetzter Code lässt sich nicht zurücknehmen.

Zur Einordnung: Im Luftverkehr gibt es drei zentrale Notfallcodes. 7500 steht für eine Entführung, 7600 für einen Funkausfall und 7700 für einen allgemeinen Notfall. Mehr dazu erklärt die Deutsche Flugsicherung.

Pilot bemerkte den Fehler erst, als Kampfjets auftauchten

Dem Piloten war der Eingabefehler offenbar zunächst nicht bewusst. Wie ein Sprecher der Polizei Mittelfranken der dpa sagte, fiel ihm das Missgeschick erst auf, als Militärflugzeuge neben seiner Maschine erschienen.

Die Eskorte begann bereits im kroatischen Luftraum. Danach übernahmen Abfangjäger des österreichischen Bundesheeres, bevor im deutschen Luftraum zwei Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 der Luftwaffe das Flugzeug bis nach Nürnberg begleiteten.

Großeinsatz am Flughafen Nürnberg

Am Boden bereiteten sich die Einsatzkräfte auf den Ernstfall vor. Am Flughafen Nürnberg wurden Starts und Landungen zeitweise ausgesetzt, eine Zufahrtsstraße war gesperrt. Im Einsatz waren unter anderem das Unterstützungskommando (USK) der bayerischen Polizei sowie eine Verhandlungsgruppe, die speziell für den Kontakt mit Entführern geschult ist.

Für die Vorbereitung blieb wenig Zeit. Zwischen dem Notsignal und der Landung der Boeing lag weniger als eine Stunde. Polizeisprecher Michael Petzold lobte die Einsatzkräfte trotz des Fehlalarms und sprach von einer „extrem hervorragenden Leistung“.

Keine Ermittlungen gegen den Piloten

An Bord blieb die Lage die ganze Zeit ruhig. Die Polizei ermittelt nicht gegen den Piloten, da er nach bisherigen Erkenntnissen nicht absichtlich gehandelt hat. Laut Spiegel war das Funkgerät der Maschine tatsächlich defekt, was den Wunsch nach einer Störungsmeldung erklärt.

Der Vorfall zeigt, wie eng die Sicherheitsabläufe im europäischen Luftraum verzahnt sind: Ein einziger falscher Code genügt, damit Militär und Polizei in mehreren Ländern binnen Minuten reagieren.